Seelenlang ... bis zum Sterben begleitet sein | Uwe Ewald, Dresden

Sterbehilfe statt Sterbebegleitung?

Fragen und Antworten.

In meiner Tätigkeit als Seniorenbegleiter bzw. Sterbebegleiter in Dresden erfahre ich auch, wie unterschiedlich die Sichtweisen sein können, wenn es um Sterben und Tod geht. Mediziner und Angehörige stimmen mit den unheilbar Kranken nicht unbedingt überein. Als Betroffener hat man eine eigene Sicht, fühlt sich oft unverstanden, allein.

Doch sollten nicht die Interessen des sterbenden Menschen im Mittelpunkt stehen? Er muss alles ertragen. Daher versuche ich hier, vor allem diese Ansichten aufzunehmen.

Es gibt Dinge, die man nicht aushalten will. Schmerzmittel können versagen. Bei fehlender Lebensperspektive liegt dann der Sterbewunsch nahe. Man hat von Sterbehilfe gehört ... ja, das wäre gut. Ein rascher Tod. Der Gedanke macht aber auch Angst.

Und dann gibt es plötzlich eine Alternative. Die palliative Behandlung lässt Schmerzen verfliegen, Unaushaltbares kann wieder aushaltbar sein. Das Lebensende rückt in die Ferne ... Doch manchmal bleiben Ängste und Unsicherheit.

Weil schon die Vorstellung dessen, was auf einen zukommen kann, katastrophal ist. Man hat Bilder im Kopf. Der Wert eines zu Ende gehenden Lebens wird nicht nur an seiner Schmerzfreiheit gemessen. Gravierende Einschränkungen und Hilflosigkeit, stets von irgendwem, irgendwas abhängig zu sein, all das erscheint einem inakzeptabel.

Die sehr gute Chance, den Sterbenskranken die Schmerzen und Ängste zu nehmen. Es sind spezialisierte Mediziner, die einem helfen können. Für jeden Betroffenen finden sie eine individuelle Variante, mit Medikamenten und auf Wunsch mit seelischem Beistand, seine Leiden erträglich zu machen. Wenn man 'Verlängerndes' ablehnt, wird eventuell nachgefragt, aber dann akzeptiert.

Palliativ-Stationen gibt es in Krankenhäusern. Dort wird die passende Behandlung gefunden. Ambulante Palliativ-Teams können das in der Wohnung tun. Sie lassen einen, wenn kein Hospizplatz verfügbar ist, auch zu Hause nicht allein sterben.

Hier steht das letzte Bett. In einem freundlich eingerichteten Zimmer. Man wohnt allein, wird nach Essen- und anderen Wünschen gefragt, kann seine Ruhe haben oder Besuch empfangen. Wer möchte, kann sogar neue Bekanntschaften schließen - mit Bewohnern anderer Zimmer.

Die palliative Begleitung wird fortgesetzt, und wenn es sein muss, erweitert. Jeder wird akzeptiert, wie er ist. Ärzte, Schwestern und Helfer nehmen sich Zeit. Man fühlt sich gut aufgehoben, nicht einsam.

Eine Wunscherfüllung für viele, die nicht allein leben. Angehörige sind dabei in der Zwickmühle. Ein plötzlicher Tod wäre ein Schock. Die Belastungen eines langsamen Sterbens des geliebten Menschen hinterließen körperliche und seelische Spuren.

Doch wer alleine lebt, fragt sich: Wie schaffe ich das? Was wird mit allem? Findet man mich? Wenn man spürt, dass es eng wird, der Körper Signale sendet, möchte man eine gute Seele an seiner Seite haben, wissen, dass jemand da sein wird. Das muss nicht zu Hause sein.

Es ist die größte Sorge, in den letzten Tagen und Stunden alleine zu sein. Weil man nicht weiß, was passieren wird. Wer schon einsam gelebt hat, will wenigstens nicht allein sterben müssen.

Ruhiger sind jene, die bisher schon betreut wurden. Die menschliche Nähe kann vieles einfacher machen. Großer Aufwand ist gar nicht nötig. Meist hilft es schon, miteinander zu reden, trotz allem für Freude zu sorgen.

Man schluckt eine Tablette, schläft ein und wacht nicht mehr auf. Ein guter Tod? Ja, weil er schnell ist, Leiden, Aussichtslosigkeit, Verzweiflung beendet. Und weil dieser Tod keine fremden Menschen in Mitleidenschaft zieht. Wer unbedingt sterben will, kann, solange er dazu in der Lage ist, einen Weg finden. Geschockte Nachbarn, Angehörige der Opfer von Geisterfahrern, traumatisierte Lokführer und Rettungskräfte wissen das.

Wenn man gute Gründe hat, nicht weiter leben zu wollen, und vorhandene Alternativen, wie Schmerzfreiheit, Seelsorge, Begleitung einem diese Gründe nicht nehmen können, wünscht man sich einfach nur, verstanden, statt 'ethisch' bevormundet zu werden.

Die Alternativen zur Sterbehilfe sollte man jedoch aufgezeigt bekommen. Denn die meisten Betroffenen werden im schmerzfreien Zustand und angesichts der kurzen noch verbleibenden Zeit, das ursprünglich Inakzeptable einem freiwilligen Tod vorziehen.

Generell gilt: Die Vorsorge für das Lebensende ist sinnvoll schon in gesunden Zeiten. In jedem Fall sollte der vorsorgende Mensch noch bei klarem Verstand, im Amtsdeutsch: 'geschäftsfähig' sein. Im Zweifelsfall könnten Vertrauenspersonen als Bevollmächtigte und Interessenvertreter abgelehnt werden.

Patientenverfügung: Darin legt man eindeutig fest, was Ärzte tun oder lassen sollen, wenn es einem selbst nicht mehr möglich ist, das zu äußern. 'Keine künstliche Ernährung durch eine Magensonde' - zum Beispiel.

Selbst verfasste Verfügungen werden anerkannt. Es kommt auf eine konkrete Auflistung und eindeutige Formulierungen an. Wer sicher gehen will: Die Patientenverfügung kann Bestandteil einer notariellen General- und Vorsorgevollmacht sein. (Siehe unten.)

Bestattungsvorsorgevertrag: Wer ein 'ordentliches' Begräbnis will, kann zu Lebzeiten das Geld dafür hinterlegen. Das Bestattungsunternehmen plant das Begräbnis wunschgemäß anhand aktueller Kosten. Die Vorauszahlung wird bei einer Bank angelegt. Falls später höhere Preise gelten, muss nur noch die Differenz gezahlt werden.

Sterbegeld-Versicherung: Im Sterbefall wird Eingezahltes plus X, minus Kosten für die Versicherung ausgezahlt. Man müsste die Bestattung erst noch organisieren. Beim Bestattungsvorsorgevertrag ist das meiste bereits erledigt.

Notarielle General- und Vorsorgevollmacht: Für den Fall, dass man irgendwann außerstande ist, für sich selbst zu sorgen, versetzt man bereits vorher den darin genannten Bevollmächtigten (eine Vertrauensperson) in die Lage, dann alle das Leben des Vollmachtgebers betreffenden Angelegenheiten zu regeln.

Außerdem soll sie verhindern, dass eine fremde Person durch ein Gericht als Betreuer bestellt wird. Statt dessen soll, falls eine gerichtliche Bestellung unumgänglich ist, der Bevollmächtigte zum Betreuer bestellt werden.

Anmeldung für einen Heimplatz: Man weiß nie, wie es kommen wird. Spätestens wenn eine schwere Krankheit festgestellt wurde, sollte man sich Pflegeheime anschauen. Freie Einzelzimmer in preiswerten Heimen sind rar. Die unverbindliche Platzreservierung, auch in mehreren Häusern, ist möglich. Man kommt auf eine Anmeldeliste, wird informiert. Ambulante Pflege zu Hause kann teurer werden, familiäre Pflege absolut aufreibend sein.